die „sueddeutsche zeitung“ bringt einen artikel unter dem titel am 16.05.09. dabei ist darin nicht nur die rede davon, wie schnell es mit der deutschen wirtschaft in den letzten quartalen abwärts ging. der autor weisst auch darauf hin, dass die wirkungen der krise erst im nächsten jahr für viele in deutschland spürbar werden. außerdem klingt auch hier wieder an, dass sich viele experten nicht der zuversicht anschließen, ab ende des jahres gehe es wieder aufwärts. insbesondere an den rohstoffmärkten sind die preise für industriemetalle nicht nur drastisch gesunken, es zeichnet sich auch keine wende ab. es wird weniger energie benötigt, was zu einem weiteren preisverfall bei erdöl führt und viele unternehmen scheuen sich im moment, die preise anzuheben. lockangebote im handel nehmen zu.
nachdem der preisanstieg nicht nur in deutschland sondern auch in anderen europäischen landern rücklaufig ist, sieht es so aus, als ob die anzeichen für eine deflation immer mehr zunehmen. sicherlich, und das ist wichtig, dies ist kein schneller prozess und ähnlich wie mit dem einstieg in die krise wird es von vielen erst bemerkt, wenn sie sich bereits voll in der deflation befinden.
in der gleichen ausgabe der zeitung ist ein bericht über den karstadt-chef stefan herzberg zu finden. dieser versucht den tanker kaufhauskette wieder flottzubekommen. da fallen worte, wie: „mittelschichten in die kaufhäuser locken“, „ohne uns würden viele einkaufsstrassen ihren mittelpunkt verlieren“, „die vertriebsform kaufhaus hat zukunft“. ich darf an dieser stelle diesen aussagen widersprechen. was wird die mittelschicht denn bald machen, wenn die arbeitslosigkeit wieder zunimmt? ins kaufhaus stürmen? wohl kaum. eher das geld zusammenhalten. vor kurzem ging woolworth in die insolvenz. ja, es war ein kaufhaus. hertie ging in die insolvenz. auch das war ein kaufhaus. sicherlich wurden dort auch fehler in der unternehmsführung gemacht. bei hertie wurden die eigenen häuser verkauft, um sie dann vom neuen eigentümer zurückzumieten (siehe dazu auch „die zeit“ vom 23.04.09: kaufhäuser zu verkaufen“). dann stiegen die mieten und die umsätze gingen zurück. schliesslich war das ganze nicht mehr zu bezahlen und wirtschaftlich zu betreiben. aber warum sollte karstadt einen anderen weg gehen? weil karstadt systemimmanent ist? weil ohne kartsadt viele städte ihren mittelpunkt in der einkaufsstrasse verlieren? und deshalb vom bund gerettet werden muß? der mittelpunkt in den einkaufsstrassen ist lange verloren gegangen. dazu trugen in nicht unwesentlichem maße die einkaufszentren auf der grünen wiese bei. ranfahren mit dem auto, abfahren, fertig. und eigentlich alle filialisten haben bei diesem geschäftsmodell mitgemacht. wer geht denn jetzt in die innenstädte und gibt geld fur neue laden aus? mitten in der krise, in einer zeit, in der leute bald weniger einkaufen werden. und was ist mit dem internet?! viel bequemer, auf diesem wege sich alles schön ins haus schicken zu lassen, als draußen lange rumzusuchen. meiner meinung nach haben sich kaufhäuser auch zu wenig spezialisiert, wollten für alle alles anbieten. aber diese zeiten sind lange vorbei. denn letztlich gingen schon lange nicht mehr alle ins kaufhaus. und immer mehr firmen eröffneten eigene flagship-stores, in denen die produktauswahl einer marke viel größer war. und wie einfach ist es, wenn man nicht findet, was man sucht, einen blick ins internet zu werfen, zu bestellen und fertig. die kaufhäuser sind wahrscheinlich auslaufmodelle der „guten alten zeit“. in 20, 30 jahren wird man sie nur noch aus geschichten von oma und opa kennen. und dies hat sicherlich zu einem teil mit der derzeitigen krise, zum anderen aber mit ganz anderen dingen zu tun. die menschen werden in den nächsten jahren weniger kaufen. auch wenn die preise sinken, allerdings: arbeitslosigkeit und zukunftsangst werden wachsen. als kleine anmerkung an dieser stelle: selbst tui, der grosse reisekonzern, meldet kurzarbeit an. wobei die deutschen doch auch weltmeister im reisen sind. buchungen für dieses jahr liegen arg hinter denen der vorjahre zuruck, viele sind noch unentschlossen und die sorge bei reiseveranstaltern wächst, auf den gebuchten kontigenten sitzenzubleiben. deshalb gibt es bereits riesige sonderteile in zeitungen und verrückte sonderangebote: familienurlaub, jetzt bis 500 euro sparen!
was also, wenn diese tendenzen zunehmen? die wirtschaft eben nicht anfängt, wieder in dem maße zu wachsen, wie es einige sich immer wieder wünschen? hierzu passt eine meldung aus den usa: „sozialkassen in der usa leeren sich“ (sueddeutsche zeitung, habe leider kein datum gefunden, stammte aber aus mai 09). nicht nur, dass der us-krankenkasse medicare im jahre 2017 die insolvenz vorausgesagt wird, auch daß obama immer mehr geld in das marode system pumpen muss, um es am leben zu halten. inzwischen belasten die haushaltssorgen den dollar so stark, dass einige experten bereits davon ausgehen, dass die usa in ihrer kreditwürdigkeit vom triple-a-rating zuruckgestuft wird. und was bedeutet das für das weltfinanzssystem?! wie aber soll obama den laden zusammenhalten? er ist einerseits gezwungen, geld in den kreislauf zu pumpen, für sozial- und pensionskassen, für banken und für die industrie, andererseits geht das haushaltsdefizit wie eine rakete in den himmel. und hier ist der punkt, einmal genauer hinzusehen, das ganze zu beobachten und die puzzleteile zusammenzuführen. ich denke, daß wir uns ab dem nächsten jahr in einer deflation befinden werden. sollte dies der fall sein, ist es auch nur noch eine frage der zeit, wenn wir in der darauffolgenden hyperinflation mit der schubkarre voll geld zum bäcker fahren und ein brötchen kaufen.
„abwärts wie noch nie“ – es sind die puzzleteile, die man zusammensetzen muss
Mai 24, 2009
Kommentar schreiben » |
Uncategorized | Mit Tag(s) versehen: credit crunch, deflation, deutschland, economic crisis, europa, hertie, herzberg, inflation, kartsadt, kaufhaus, kredite, obama, pensionskassen, rnetenkassen, sanierungsplan, stefan herzberg, sueddeutsche zeitung, sz, triple-a-rating, usa, weltfinanzsystem, wirtschaftskrise |
Permalink
Verfasst von st8ment