hatte man vor jahrhunderten probleme mit dem regen, fand man sich zusammen um eine zeremonie zu veranstalten, die das dorf in eine gemeinschafttrance brachte: der regentanz. meist gab es einen schamanen, medizinmann oder wen auch immer, der noch irgendein kraut ins loderne feuer warf. die dorfbewohner tanzten um die flamme und stießen meist gleichzeitig irgendwelche rufe aus. hatte man glück, wurde von gott erhört oder ein tief war im anmarsch (meist war letzteres der fall), gab es in den tagen nach dem zeremoniell den lang erhofften regen. im augenblick kommt es mir so vor, als ob die alte, längst vergessen geglaubte zeremonie eine auferstehung feiert. da lese ich auf der frontpage der „zeit“ vom 14.05.09: „danke, staat!“ darin wird ein loblied auf die staatlichen maßnahmen zur krise gesungen: „wenn es heute anders kommt, als damals, dann weil die große linie stimmt… statt die zinsen anzuheben, überschwemmen die zentralbanken die welt mit liquidität. statt die ausgaben zu kappen, stützen die regierungen konjunktur und banken.“ nun, alles gut und schön, aber was bedeutet dies für die zukunft?! genau diese aussage im artikel sagt eigentlich alles. denn das geld, das heute auf den markt geschwemmt wird, muß irgendwo herkommen. und es ist eine alte erkenntnis, daß viel geld auf dem markt eines bedeutet: letztlich inflation. was mich besonders beeindruckt, ist die lapidare bemerkung im artikel: „dass sich der staat das geld irgendwann zurückholen muß, macht die sache nicht schlecht.“ nö, alles klar, wir zahlen gerne viel viel viel mehr steuern und freuen uns alle auf eine inflation, hyperinflation und hyperhyperinflation, denn wir haben immerhin die banken gerettet. und ich möchte an dieser stelle noch einmal darauf hinweisen: in deutschland sind es nicht die privatbanken, denen es schlecht geht. mehrheitlich sind dies „staatliche“ institute, nämlich landesbanken. der „economist“ nennt diese inzwischen die „kranken banken europas“.die west-lb, die hsh und die bayern-lb haben inzwischen eine so schlechte bonität, daß ihre anleihen ohne staatsstütze nur noch altpapier wären (s.a. „die zeit“ vom 14.05.09: „hier bestimmt der staat“).
und im oben genannten artikel geht es munter weiter: „schon im zweiten halbjahr könnte die wirtschaft leicht wachsen. das größte keynesianische experiment aller zeiten scheint aufzugehen.“ na klar, keiner der wirtschaftsweisen, zukunftsforscher, analysten oder sonstige experten haben irgendwas von der krise kommen sehen. aber mitten in der krise wissen alle, daß es wieder aufwärts geht. und zwar schon bald, eigentlich fast morgen, na eigentlich sind wir schon voll im aufschwung drin. na klar! allerdings: bereits ulbricht sagte damals in der ddr:“gestern standen wir vor dem abgrund. heute sind wir einen schritt weiter“. wer sagt eigentlich, daß wir schon unten sind? wer weiß, daß es unten nicht noch weiter nach unten geht. selbst wenn die ersten amerikanischen banken schon wieder gewinne melden: dies ist in erster linie dem verkauf von teilen dieser banken und veränderten bilanzierungsbestimmungen geschuldet.
und noch einmal zurück zum artikel in der „zeit“: wir brauchen ein neues wachstumsmodell“. da die amerikaner im augenblick kein geld haben, kann dies nach meinung des autors nur bedeuten, daß wir, die deutschen kaufen. und dazu müssen die gehälter steigen. na klar, ganz sicher! immer noch nichts gelernt? immer weiter nach dem muster:“mehr desselben“?! wie wär´s mal mit aufwachen und einem „wir stellen uns mal neben den prozess und schasuen aus einiger entfernuing rauf“? anstelle im system steckenzubleiben und mit alten, kaum noch wirkungsvollen maßnahmen genau das zu tun, was die krise verursacht hat: „wir müssen immer mehr wachsen“. und an dieser stelle sei doch mal die frage gestattet: wer braucht eigentlich alle 2 oder 3 jahre ienen neuen fernsher? wer einen neuen kühlschrank (selbst wenn der neue 20 watt weniger im jahr verbraucht und vielleicht dadurch die umwelt schont)? wer braucht laufend ein neues sofa, das alte hat ja noch nicht einmal flecken.
und gleich noch einmal zum artikel:“endzeitstimmung wäre fehl am platz. das ende des kreditbooms und die hohe schuldenlast bedeuten nicht, dass die menschheit zu sieben mageren jahren verdammt ist… die jahre nach dem 2. weltkrieg… waren goldene jahre für die weltwirtschaft.“ wenn ich das lese, dann frage ich mich doch, ob da auch mal jemand nachgedacht hat. warum waren denn die jahre nach dem 2.wk goldene jahre, warum ging es aufwärts? kann es zufällig sein, daß fast alles zerstört war, daß neue häuser, wohnungen, fabriken, straßen und was weiß ich nicht noch alles gebraucht wurden? was hatte diese zeit denn bitte schön mit der situation heute zu tun? da hat jemand wohl etwas daneben gegriffen.
aber es ist wohl auch politiswch gewünscht, daß wir alle auf den großen regentanz eingestimmt werden, uns schön versammeln, schamane steinbrück und medizinmann merkel ein paar kräuter ins feuer werfen und wir gemeinsam auf den regen warten. in diesem sinne: ein schönes wochenende. und sucht schon mal ne gute musik für den tanz raus.
früher waren es regentänze
Mai 22, 200920.05.09 – ein ereignisreicher tag in der krise
Mai 22, 2009die meldungen am 20.05. überschlagen sich fast:
- die neuverschuldung des bundes steigt um weitere 10,7 mrd. euro auf 47,6 mrd. euro
- hertie macht dicht, es kann keine einigung zwischen den gläubigern und dem insolvenzverwalter gefunden werden, 54 filialen werden geschlossen, 2600 mitarbeiter sind von arbeitslosigkeit bedroht
- schaeffler wird wahrscheinlich von conti geschluckt
- der dax geht auf über 5000 punkte
die hsh nordbank erhält eine kapitalerhöhung von 3 mrd. €
- zahlung des kurzarbeitergeldes auf bis zu 24 monate beschlossen
- japans wirtschaft schrumpft weiter, im ersten quartal 2009 um 4% gegenüber letztem jahr, auf jahressicht sank die wirtschaftsleistung um 15,2%
abwracken jetzt auch in england
Mai 22, 2009in england startet ebenfalls eine abwrackprämie. voraussetzung: das auto muss mind. 10 jahre alt, im besitz des halters seit mind. 1 jahr sein und der käufer eines neuwagen erhalt 2000 pfund. davon zahlt 1000 der staat und die anderen 1000 der handler.
zuvor war der verkauf von autos in den ersten vier monaten des jahres verglichen mit dem vorjahgreszeitraum um 28,5% zuruckgegangen. umfragen ergaben, dass nicht allzu viele briten die prämie nutzen werden (81% von 600 befragten).
Verfasst von st8ment
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